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Intro

28. Juli 2010

Diese Einleitung ist auch nochmals auf der „Über“ Seite zu finden…

Der Beginn

Schlittler rechts, Fußgänger links, BibliothekarInnen bitte geradeaus hereinspaziert (CC Foto von iwouldstay)

Dieses Blog entstand als Praxisprojekt für den Masterstudiengang „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ der FH Köln.

Hintergrund war das Unbehagen mit dem von oben verordneten „Code of Ethics“ (PDF Link) des Berufsverbandes BID („Bibliothek Information Deutschland“).

Ohne jegliche Diskussion in der Fachöffentlichkeit bzw. einer breiteren Einbindung von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren wurde dieses Papier 2007 am Dritten Leipziger Kongress für Information und Bibliothek präsentiert und blieb  dadurch auch relativ folgenlos.

Ein Jahr nach Publikation wird in einem Blog von Christian Hauschke folgendes Fazit gezogen:

Dass es um diesen Kodex keine Kontroverse gab und gibt, deutet mit absoluter Sicherheit nicht darauf hin, dass
er von der Zielgruppe anerkannt und gelebt wird. Er ist den meisten schlichtweg unbekannt und dem Rest gleichgültig. Hier wurde eine
Chance vertan. Eine offene Debatte, ein Aufruf zur Beteiligung, eine kontroverse Auseinandersetzung, was nun eigentlich zum Berufsbild
eines Bibliotheks- und Informationsberufenen gehört, das alles hätte stattfinden können.

2010 zeigt dann eine überlaufene Session „Bibliothekarische Berufsethik und gesellschaftliche Verantwortung“ am „4. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek“ das durchaus vorhandene Interesse an der Thematik.
Allerdings bleibt auch hier die Frage eines Teilnehmers „An wen muss ich mich wenden, wenn ich über Änderungen diskutieren will?“ unbeantwortet (Update: Inzwischen scheint es zumindest eine neue Arbeitsgruppe zu geben).

Dieses Blog will jetzt versuchen eine „Diskussion von unten“ anzustossen.

Neben Beiträgen zur deutschen Situation soll versucht werden über den Tellerrand in andere Länder und Berufsgruppen zu schauen und vielleicht dort Anregungen zu bekommen.
Natürlich sind Gastautorinnen und -autoren immer gerne gesehen um ein möglichst breites Spektrum von Meinungen und Thesen abzubilden.
Fallbeispiele aus der konkreten bibliothekarischen Praxis sollen die Möglichkeit geben die – teils doch sehr abgehobenen – Prinzipien die in Berufsethiken dargelegt werden herunterzubrechen auf den Alltag in dem wir uns befinden.

Das wäre zumindest der Plan…

5 Kommentare
  1. Viel Erfolg! Ich hatte vor längerer Zeit einmal versucht, so etwas wie ein „Blog-Stöckchen“ zum CoE ins Leben zu rufen, dies aber nach verschiedenen Email-Diskussionen erstmal verworfen. Danach ist es dann irgendwie in Vergessenheit geraten.

    Momentan ärgert mich der CoE nur noch akut, wenn mal wieder einer der Verbände, die ihn ins Leben riefen, sich nicht danach verhalten. Zum Beispiel in der Zensursula-Debatte, wo ich mir ein lautes Veto des BID gewünscht hätte.

    Wie sollen die Fallbeispiele denn aussehen? Wäre das so etwas?

  2. Peter permalink

    Herzlichen Dank! Die Beiträge in InfoBib waren auch etwas Inspiration für das Blog da es so ziemlich das Einzige war, was ich an Diskussion zum CoE gefunden hatte..😉

    Zensursula Debatte ist ein gutes Fallbeispiel für den Einsatz des Codes auf höherer Ebene.
    Man kann das aber auch noch weiter herunterbrechen: z.B: die kleine ÖB die sich entschlossen hat keine Internetfilterung zu betreiben vs. die White-list der UB Rostock (http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg40987.html). Ist der CoE in solchen Fragen brauchbar? Welche Argumente dafür oder dagegen gibt es? etc.

  3. Laura permalink

    Auch ich wünsche viel Erfolg! Ich stelle mir Fallbeispiele etwa so vor wie das zu RFID unten (eher theoretisch).

    Die Fragen unter dem Text sind dem empfehlenswerten Buch:
    „Gewissensbisse. Ethische Probleme der Informatik“ von D. Weber-Wulff, C. Class u. a. Bielefeld: Transcript, 2009 entnommen
    siehe auch: Gewissensbits http://gewissensbits.gi-ev.de/

    RFID
    Harald S.. ist 42 und leitet eine kleinere Zweigstelle in einer Grosstadtbibliothek mit einer Hauptstelle, einer Musikbibliothek und fünf Zweigstellen. Er bekommt vom Direktor Siegfried T. der Gesamtbibliothek den Auftrag, im Rahmen eines Projektes die RFID-Einführung für das gesamte System vorzubereiten und dazu ein Projektteam zusammenzustellen, das ihm dann für die Projektzeit zur Verfügung steht. Herr S. war bei einem Akribie Vortrag und hat dort gehört, dass RFID datenschutzrechtlich nicht unproblematisch ist Selbst wenn auf den Medien- und Ausweis-Chips nur Zahlenfolgen stehen, können RFID-Lesegeräte an Kaufhaus-Kassen und anderswo bei der Verwendung gleicher Chip-Systeme Seriennummern entschlüsseln (die ist weltweit eindeutig) und u.U. auf die Zugehörigkeit zu der Gruppe der Bibliotheksbenutzer schließen, Wenn der Kunde in direktem zeitlichen Zusammenhang dann seine Kaufhaus-Kundenkarte zum Einsatz bringt, könnte das Kaufhaus die beiden Informationen sogar zusammenbringen und den vollen Namen und Adresse in Verbindung mit einer Bibliothekbenutzer-Datei speichern und zu Werbezwecken missbrauchen.

    Von KollegInnen aus anderen Städten, die RFID in ihren Bibliotheken bereits eingeführt haben, hat Harald erfahren, dass die Transponder viele Probleme aufwerfen können. So werden die Medien oft nicht auf den Entleiher, sondern auf den unmittelbar hinter ihm die RFID-Station Passierenden Bibliotheksbesucher verbucht – oder es gibt gesundheitliche Bedenken: es wird empfohlen, dass sich niemand längere Zeit in der Nähe der RFID-Station aufhalten sollte). Dazu kommt, dass in der Nachbarstadt die RFID-Einführung mit Stelleneinsparungen begründet wurde. Die Leser sollen ja möglichst zu 100% – oder wenigstens zu 97-98 % wie in München – alles selbst an Automaten verbuchen, Gebühren bezahlen etc.. Das bedeutet nicht nur die Abwälzung eines erheblichen Teils der Arbeit auf die BenutzerInnen, sondern auch die zunehmend personal- und kommunikationslose Bibliothek, was viele LeserInnen gerade in öffentlichen Bibliotheken gar nicht schätzen.

    Ausserdem hat er von der Controllerin Sabine H., mit der er sich gut versteht gehört, das die RFID-Einführung 800.000 € kosten soll. Dieses Geld würde aber auch dringend für die Fortführung der erfolgreichen Leseförderung von Migrantenkindern benötigt, den dieses Pilotprojekt soll trotz großer Erfolge mangels Geldmitteln eingestellt werden.

    Herr S. ist in einem Dilemma: einerseits bedeutet es eine Anerkennung, dass er als Projektleiter RFID einführen soll, er hat diverse Projektmanagementkurse besucht und traut sich das durchaus zu. Er weiss, dass ein Erfolg des Projektes seiner Kariere förderlich wäre. Andererseits würde er auch gern die ganze RFID Einführung erst mal grundsätzlich mit MitarbeiterInnen und Öffentlichkeit diskutieren, sich externen Sachverstand dazu holen – Wenn er das aber anregt, wird ihm der Auftrag bestimmt entzogen…
    Aufgaben:
    Kurze Fallbeschreibung
    Welche Konflikte werden in den Fall beschrieben?
    Wer muss Entscheidungen treffen?
    Auf welcher Grundlage?

    Welche Artikel der Ethischen Grundsätze können für den Fall heran gezogen werden?
    Mit welchen Ergebnissen?
    Wie hilfreich waren die Ethischen Grundsätze bei dem vorliegenden Fall?

  4. Heike permalink

    Ich finde es sehr erfreulich, dass aus den FH-Projekten soetwas interessantes wie dieser Blog entstehen kann. Danke für diese Bereicherung und viel Erfolg!

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