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Reaktion zu „Wie frei ist der freie Zugang zu Information in Öffentlichen Bibliotheken“

8. September 2010

Die Zeitschrift B.I.T. online gibt jährlich eine Sonderausgabe zum BIX (Bibliotheksindex) heraus. Das 2010er Heft enthält einen Artikel von Prof. Dr. Hermann Rösch mit dem Titel „Wie frei ist der freie Zugang zu Information in Öffentlichen Bibliotheken?“ Ausgehend vom Anreißertext

Freier Zugang zu Informationen in Öffentlichen Bibliotheken: Muss man über diese Selbstverständlichkeit wirklich noch diskutieren? Art. 19 der UN-Menschenrechtserklärung ist doch eindeutig – und im Grundgesetz Art. 5, Abs. 1 heißt es unmissverständlich: „Jeder hat das Recht, (…) sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ Zudem gelten Bibliothekarinnen und Bibliothekare gemeinhin als integer und gesetzestreu. Damit sollte doch dieses Problem erledigt sein. Doch so einfach ist es leider nicht.

wirft Rösch einige praktische Fragen auf, die sich in Bibliotheken ergeben, etwa der Umgang mit rechts- oder linksextremer Literatur oder Druck von Interessensgemeinschaften. Der Grad zwischen (Jugend-) Schutz und Zensur ist in der Praxis oft ein schmaler. Der Autor plädiert für einen offenen Umgang mit Problemfeldern und größtmögliche Transparenz etwa in der Erstellung und Öffentlichmachung von Richtlinien und „Policies“.

Wie es nun konkret in der Praxis aussieht zeigt eine Reaktion von Martin Spinnler, einem Bibliothekar an der „Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften“ auf den Artikel:

Auch in meiner Tätigkeit als Bibliothekar hat mich dieses Thema, wenigstens implizit, ab und zu beschäftigt. Einmal habe ich mich, aus verschiedenen Gründen, geweigert, ein mir als Geschenk angebotenes Buch eines Scientologen im Bestand aufzunehmen, und ich bin noch heute der Überzeugung, damals richtig gehandelt zu haben. Werte wie freie Meinungsbildung und freier Fluss von Informationen sind natürlich für eine freiheitliche Gesellschaft ganz grundlegend, gleichzeitig ist der Anspruch, keine Zensur auszuüben meines Erachtens illusorisch, denn Zensur wird, ob bewusst oder nicht immer wieder ausgeübt, da man als Bibliothekar unweigerlich auch von Werten, vom kulturellen Background usw. usf. beeinflusst ist. Ob man diese Einflüsse in jedem Fall zugunsten einer freien Meinungsbildung und der ungehinderten Bereitstellung von Informationen ignorieren kann, bezweifle ich. Da jede Bibliothek, sei es anhand ihres Sammelauftrags, sei es wegen ihrer Bestandespolitik (thematische Ausrichtung, Funktion etc.) bei der Literaturauswahl selektieren muss, ist es im Nachhinein oft schwierig zu beurteilen, ob man ein Buch nicht angeschafft hat, weil es nicht ins Profil passte oder weil es einem selber ganz persönlich nicht in den Kram passte. Deshalb finde ich es wichtig, dass man sich eingesteht, dass auch beim besten Willen persönliche Motive niemals ganz ausgeschaltet werden können. Entscheidend ist für mich aber auch gar nicht sosehr, ob das Buch (bzw. Information) xy in der Bibliothek z vorhanden ist, sondern entscheidend ist vielmehr, dass der Bibliothekar/die Bibliothekarin seine/ihre Funktion als Informationsvermittler/in uneingeschränkt wahrzunehmen bereit ist. Im konkreten Fall könnte das dann eben heissen, dass man einem Benutzer, der, aus welchen Gründen auch immer (kann ja auch wissenschaftliches Interesse sein) Hitlers „Mein Kampf“ sucht, dabei unterstützt, an dieses Werk zu kommen, indem man ihm sagt, wo und zu welchen Bedingungen (falls überhaupt) es zur Verfügung steht (vorausgesetzt natürlich, ich mache mich dadurch nicht strafbar). Auch unter dem Aspekt, dass es zunehmend unwichtiger wird, wo sich die Information befindet, wird die Informationsvermittlung bzw. Unterstützung bei der Dokumentbeschaffung immer wichtiger und der physische Bestand nimmt an Bedeutung eher ab.

Wie sieht es in anderen Institutionen aus? Meinungen? Erfahrungen? Vorgehensweisen?

Zum Thema Bestandsaufbau/Zensur/Qualitätskontrolle gibt es ja auch derzeit auf netbib wieder eine Debatte anlässlich des Sarrazin Buches

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