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„Neue Diplomarbeit zur Berufsethik“ oder „Tervist Eesti!“

13. März 2011

Herzlichen Dank an Herrn Dr. Rösch für den Tipp!

Auf dem OPUS Server der FH Köln liegt seit kurzem eine interessante Diplomarbeit zum Thema bibliothekarische Berufsethik:

Spenke, Julia: Ethik für den Bibliotheksberuf: Zu Entwicklung und Inhalt eines bibliothekarischen Ethikkodexes in Deutschland

Im Jahr 2007 wurden die „Ethischen Grundsätzen für Bibliotheks- und Informationsberufe“ in Deutschland verfasst. Es handelt sich hier um einen beruflichen Verhaltenskodex, der Richtlinien für angemessenes Verhalten für Bibliotheksbeschäftigte vorgibt.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich damit, aus welchen Gründen und in welchen Verfahren der Ethikkodex erstellt wurde. Weiterhin werden der Stand der Diskussion und die öffentliche Wahrnehmung des Kodexes innerhalb des deutschen Bibliothekswesens untersucht. Eine inhaltliche Analyse stellt fest, welche Kernaussagen innerhalb des Kodexes getroffen werden. Der deutsche Ethikkodex wird in Bezug auf Entstehung und Inhalt exemplarisch mit Ethikkodizes aus den USA und Estland verglichen. Dieser Vergleich ermöglicht es, Rückschlüsse darüber zu ziehen, inwieweit der Inhalt gelungen und der Entstehungsprozess nachvollziehbar ist und an welchen Stellen Überarbeitungsbedarf erkennbar ist.

Um was geht es in dieser Arbeit genau?

Ziel der Arbeit war es den Entwicklungsstand der bibliothekarischen Berufsethik in Deutschland darzustellen und Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

In der Einleitung werden zunächst einmal die Begrifflichkeiten geklärt und z.B. Abgrenzungen zwischen der „Informationsethik“ und „bibliothekarischer Ethik“ (quasi Untermenge der Informationsethik plus Fragen der Bibliothek als Kultur/Bildungs-Einrichtung plus Verpflichtung gegenüber der Nutzerin/dem Nutzer plus Fragen des Berufsstandes) vorgenommen.

Im nächsten Teil wird die internationale Entwicklung der Ethikkodizes dargestellt und etwa aufgezeigt, dass die Zeitpunkt der Entwicklung solcher Richtlinien weniger mit dem Stand der Professionalisierung durch Berufsverbände zu tun hat, sondern mehr ein allgemeiner Trend ist (die meisten Ethikkodizes entstanden laut der Autorin zwischen 1995 und 2004).

In exemplarischen Darstellungen wird neben dem altbekannten Beispiel USA die Entwicklung der ethischen Richtlinien in Estland dargestellt.

Estland ist deswegen interessant, da hier der Prozess der Erarbeitung eines Kodex hochgradig transparent und kollaborativ erfolgte. Jede Bibliothekarin/jeder Bibliothekar war eingeladen sich an einem Workshop zu beteiligen und selbst nach der Veröffentlichung wurden ein Jahr lang Änderungswünsche gesammelt .

Im folgenden Kapitel wird die – weitgehend diametrale – Entwicklung in Deutschland beschrieben. Die enge inhaltliche Anlehnung an die Arbeit der FAIFE, die Ziele des Kodex sowie die Kritik etwa von der Akribie oder von Christian Hauschke.

In einer inhaltlichen Analyse der „Ethischen Grundsätze…“, wird festgestellt, dass Kernthemen ähnlicher Ethikkodizes anderer Länder übernommen werden. Eine deutsche Besonderheit  ist der Focus auf den Umgang mit Kunden und das Fehlen des Themas „Interessenskonflikte“

Im Fazit spricht Spenke von der verpassten Chance eines breiten Diskussionsprozesses bei der Erarbeitung der Richtlinien.

Mögliche Ansätze um den Ethikkodex stärker in das Bewusstsein der BibliothekarInnen zu bringen sieht sie etwa in der Einrichtung eine Plattform zum Austausch z.B. über Fallstudien, ähnlich der CILIP Aktivitäten (hatten wir hier im Blog schon).

Auch wiederkehrende Veranstaltungen etwa ähnlich zur „Banned Books Week“ der ALA in den USA können ein Vehikel für den fachlichen Austausch sein.

Also alles in allem eine sehr lesenswerte Arbeit. Es gibt einen guten Überblick über internationale Entwicklungen. Estland ist durch den kollaborative Ansatz in der Gegenüberstellung zu Deutschland ein schönes exemplarisches Beispiel und im Fazit bringt die Autorin auch noch ein paar konkrete Empfehlungen wie man die Diskussion in Deutschland wieder etwas beleben könnte.

One Comment
  1. Laura permalink

    Interessante Arbeit. Danke für den Hinweis!

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